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«Irgendwie mis Beizli»

Danielle Moser, 23 Jahre Rehaklinik Zihlschlacht

«Irgendwie mis Beizli»

Wie lange dauert es, bis 76,5 Tonnen Speisen für das Mittagsbuffet über den Tresen gehen, 29’410 Tagesdesserts den Besitzer wechseln oder sich 123’700 Kaffees verkaufen? Exakt 17 Jahre. Das waren eine Menge «Guete Morgä, Grüezi, Hallo, en Guete, zum Wohl und Danke». Da fällt es leicht, nachzuvollziehen, dass Danielle Moser über ihr Refugium – das Personalrestaurant der Rehaklinik Zihlschlagt – sagt, «das isch irgendwie mis Beizli gsi».

Danielle Moser. Frontfrau und Perle für das tägliche Wohl der Mitarbeitenden.

Den 17 Jahren Personalrestaurant gingen 5 Jahre im klinikeigenen Café im Park voraus. Die Kaffees von diesen 5 Jahren wurden nicht mitgezählt. Ob sie sich beim Stellenantritt vorstellen konnte, rund ein Drittel ihres Lebens als Arbeitnehmerin an der Rehaklinik Zihlschlacht zu verbringen? Nein, das konnte sie nicht, als sie mit 40 Jahren ihr Anstellungsverhältnis an der Rehaklinik Zihlschlacht antrat.

Eigentlich hätte sie gerne am Empfang gearbeitet, worin sie bereits Erfahrungen aus ihrer Tätigkeit in den Vereinigten Staaten mitbrachte. Nach dem Lehrabschluss als Detailhandelsfachfrau siedelte sie für 5 Jahre in die Vereinigten Staaten über und nahm eine Tätigkeit bei ihrem Onkel an. Dadurch lernte sie vor Ort Englisch, – was in Schweizer Schulen noch kein Fach war – betreute den Empfang seiner High Class Garage und fuhr Autos wie Rolls Royce und Jaguar zu den Kunden. Sie genoss den kulturellen und sprachlichen Wechsel, das Eintauchen in diese andere Welt. Doch was wäre eine solche Geschichte ohne die Liebe? Aber nicht etwa in den USA, sondern bei Familienbesuchen in der Schweiz, hat sie ihren damals «zukünftigen» Ehemann kennen gelernt. Nach 5 Jahren USA kehrte sie zurück in die Schweiz, genauer gesagt in den Thurgau.

Danielle besuchte den «Tag der offenen Tür» gemeinsam mit ihrem Mann. Ihr gefiel die Vorstellung, hier zu arbeiten und da die Kinder bereits älter waren, setze sie diese Idee in die Tat um. Da zu diesem Zeitpunkt am Empfang nichts frei war, startete sie in besagtem Café im Park der Rehaklinik Zihlschlacht. Zu Beginn war der direkte Patientenkontakt nicht einfach – sie musste zuerst lernen, mit den persönlichen Geschichten und Lebenssituationen der Patientinnen und Patienten umzugehen. Jede Geschichte ist anders. Und manchmal berühren sie einen einfach stärker, auf eine herausfordernde Art und Weise.

Doch das Positive überwog. Selbst aktiv einen Beitrag zu leisten war ein wertvolles Gefühl. Der Patientin oder dem Patienten mit einem Gespräch, einer Geste oder einfach dem Ausschank etwas Gutes tun. «Ein Patient ist mir besonders präsent», sagt Moser. Ein Mann, welcher mit dem höchsten Schweregrad eingeliefert wurde und schwer beeinträchtigt war. Es folgte eine lange und intensive Rehabilitation. Schlussendlich kämpfte er sich zurück ins Leben und verliess die Klinik aufrecht. Die Freudentränen kamen beim Abschied ganz natürlich. Der Kontakt blieb über all die Jahre bestehen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie dieser Patient sich sein Leben wiederaufbauen konnte, heiratete und nach solch einem Ereignis den positiven Weg fand. Für sie war die Arbeit im Café auch immer wieder ein Aufruf, im Moment zu leben und dankbar für die eigene Gesundheit zu sein.

Danielle Moser. Lichtblick für unsere Patientinnen und Patienten.

Dankbar für die eigene Gesundheit sein. Dankbar für die eigene Genesung sein. Bemerken Sie den Unterschied?

Danielle Moser stürzte am Flughafen rücklings über einen Koffer. Ein kurzer Moment in einem sonst so positiven Ambiente, ein Moment der alles veränderte. Diagnose: Schädelbruch mit Hirnblutung. Aus der Mitarbeiterin in der Rehaklinik Zihlschlacht wurde ein neurologisch betroffener Mensch, eine Patientin. Fest stand, dass Danielle eine neurologische Rehabilitation benötigte. Zum einen wollte sie ganz klar die rehabilitativen Therapieeinheiten der Rehaklinik Zihlschlacht in Anspruch nehmen, weil sie tagtäglich sah, was ihre Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten erreichten und weil sie wusste, dass über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten ihre Rehabilitationsziele erreichen. Auf der anderen Seite gab es Gedanken wie, «Möchte ich mich vor meinen Kolleginnen und Kollegen in veränderter Art und Weise zeigen und gegebenenfalls stationär gepflegt werden?» Ihre Beeinträchtigungen erlaubten jedoch eine intensive ambulante Rehabilitation. Danielle Moser erlebte die Rehaklinik auf eine andere Art und Weise. Durch die Augen einer Patientin, mit all ihren Bedürfnissen und Herausforderungen. Auch sie machte grosse Fortschritte in ihrem Rehabilitationsprozess. Danielle Moser erreichte ihr Ziel und kehrte in ihren beruflichen Alltag, zu ihrer Familie und in ihr Leben zurück.

 Danielle Moser. Ehemalige Patientin Rehaklinik Zihlschlacht. Danielle Moser. Zurück im Leben, zurück bei den Dingen die sie liebt.

Zurück «zu ihrem Beizli», meint sie leidenschaftlich. Zurück zum schönsten Arbeitsplatz der Welt. Durch die grossen Panoramafenster, die das gesamte «Beizli» umgeben, hat man einen wundervollen Blick auf die umliegende Natur. Am Horizont sind die Highlights – der imposante Säntis und oft genug spektakuläre Sonnenaufgänge – zu sehen. An vielen Stellen in dem Gespräch ist die tiefgreifende Dankbarkeit gegenüber den kleinen Dingen spürbar.

Was ihr fehlen wird? Der Kontakt zu den Teamkolleginnen und -kollegen und den Mitarbeitenden. Sie war von Anfang an mit offenen Armen empfangen worden, sowohl im Team als auch von den Besucherinnern und Besuchern des Restaurants. Egal welche Berufsgruppe, egal welche Herkunft: Alle essen am Ende zusammen im Personalrestaurant und begegnen sich auf Augenhöhe. In den wenigen Momenten, in denen es im Personalrestaurant einen Ansturm gibt, wechselt man ein paar Worte über die Kasse hinweg. Ansonsten findet immer wieder die aufrichtige Begegnung statt, in welcher vom gemeinsamen Lachen bis hin zum motivierenden Aufmuntern alles dazugehört. In welcher sich alle Kraft und Rat schenken, wenn einmal etwas nicht ganz rund läuft im Leben. Das alles wird sie vermissen. Es sind viele Menschen ebenso lange hier tätig wie sie, und irgendwie wird man zu einer grossen Familie.

Über all die Jahre hat sie erlebt, wie die Klinik sich verändert, entwickelt, professioneller wird und wächst. Sie findet viel Schönes darin, mag das Fortschrittliche. Begrüsst die vor ein paar Jahren eingeführte Duzis-Kultur und ist stolz, ein Teil dieser Geschichte zu sein. Sie würde die Stelle jederzeit nochmals antreten.

Danielle Moser. 23 Jahre Rehaklinik Zihlschlacht. Danke!